Falsch oder richtig?

Muss Kunst eigentlich immer so herum hängen, wie es der Künstler ursprünglich einmal vorgesehen hat? Diese Frage stellte sich jedenfalls einem Sammler, der sein Bild für eine Ausstellung verliehen hat. Im Museum hing das Bild aus seiner Sicht auf dem Kopf.

Irritiert wendete er sich an den Kurator, der versicherte, das Bild gemeinsam mit dem Künstler aufgehängt zu haben. Völlig außer sich fragte der Sammler, was er nach der Rückkehr des Bildes machen soll, habe er sich doch so an die falsche Hängung gewöhnt.

Auch ein weiteres Bild der Ausstellung hing an seinem ursprünglichen Ort – einem Büro – falsch herum, in diesem Fall um 90 Grad gedreht. Die Dynamik und Bewegung des Bildes habe ihn von der Arbeit abgelenkt, meinte der vermeintliche Kunstbanause. Dabei hat er wahrscheinlich das Wesentliche des Bildes wahrgenommen. Warum ihm also einen Vorwurf machen?

Viele Künstler machen es dem Betrachter vor allem mit ihren „Ohne Titel“-Bezeichnungen auch nicht immer einfach – zumal, wenn man von ihnen als Begründung mit auf den Weg bekommt, sich sein eigenes Bild von der Kunst machen zu müssen. Wenn diese Betrachtungsweise dann auf dem Kopf steht, scheint das doch ganz legitim zu sein.

Tony Cragg, Bildhauer aus Wuppertal und Rektor der Kunstakademie Düsseldorf, hat dafür eine ganz eigene Lösung gefunden: Sein Werk „Spektrum“, derzeit im Pavillon des Skulpturenparks Waldfrieden in Wuppertal zu sehen, bewahrt er nach Farben sortiert in Kisten auf, wenn es nicht gerade irgendwo ausgestellt ist. Setzt er es – oder einer seiner Mitarbeiter – für eine Ausstellung wieder zusammen, stimmt nur die Intention, nämlich dass man mit Fundstücken vom Rheinufer (andere würden auch Abfall oder Weggeworfenes sagen) ein wunderbares Spektrum an Farben, Erinnerungen und Leben zaubern kann. Wie dabei die einzelnen Teile zusammengesetzt werden, ist jedesmal neu. Da stellt sich die Frage nach oben und unten, richtig und falsch dann gar nicht mehr. Übertragen könnte das heißen, Kunst soll man betrachten, im besten Fall genießen, im schlimmsten verwerfen – aber sich selbst und die Kunst dabei nie zu ernst nehmen.

Spektrum

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