„In das Internet gucken“

Warum hat die Piratenpartei derzeit vor allem bei jungen Wählern Erfolg? Eine Antwort darauf gaben Politiker jetzt selbst in der Talkshow von Anne Will nach der Berlin-Wahl. Was jungen Wählern selbstverständlich und sehr wichtig zu sein scheint, ist bei einigen Politikern bisher wohl wirklich noch nicht angekommen.
Wie kann man es sonst anders erklären, dass Bärbel Höhn tatsächlich den Satz ausspricht „wenn ich in das Internet schaue“? Das klingt vor allem nach Nichtwissen, Distanz und auch Unwillen. Keiner, der sich täglich im Netz bewegt, würde sich so ausdrücken. Und wenn Höhn dann auch noch betont, dass die Grünen für ihren Internet-Wahlkampf einen Preis gekommen hätten, weiß man, dass sicherlich weniger den Politikern als vielmehr den Agenturen dahinter die Anerkennung gilt.

Sehr schön erklärt hat die Distanz zwischen den Piraten und etablierten Politikern zuletzt Sascha Lobo in seinem Spiegel-Online-Beitrag: Es sei vor allem ein Unterschied in der Kommunikation, den die Piraten (überwiegend über das Internet) mit ihren Wählern betreiben, und zwar unmittelbar statt über Mitarbeiter, die sich besser damit auskennen. Zudem sei auch die Sprache insgesamt näher an den Wählern, als die etablierter Parteien.
Der Wuppertaler SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Bialas erklärte das gerade erst so: Die Politik sei für viele zu schwierig geworden, müsse wieder vereinfacht werden. Man könnte es auch so ausdrücken: Zahlreiche Politiker verschanzen sich hinter ihrer einstudierten Sprache, weil sie vielleicht selbst vieles gar nicht mehr erklären können. Da wendet man sich wirklich lieber von der Politik ab.

Und dann kam vor gut zwei Jahren eine Partei daher, die sich (noch) nicht hinter Floskeln versteckt, sondern eine Sprache und Medien benutzt, die junge Menschen sprechen und nutzen. Ihre Wahlthemen sind die, die junge Menschen selbst umtreiben, zum Beispiel die Netzpolitik. Sie reden nicht gleich nur von den schlechten Seiten, weil sie die guten aus eigener Erfahrung kennen. Und damit haben sie einen Nerv getroffen – und vor allem Nichtwähler aktivieren können. Das sollten die Etablierten sich zu Herzen nehmen und nicht beleidigt antworten, in ihren Reihen seien auch Politiker, die twittern und man habe schließlich auch insgesamt mehr Wähler als die Piraten.

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