Wahrscheinlich nur schöne Ideen

Wenn ich entscheiden dürfte, was aus dem Wuppertaler Schauspielhaus wird, würde ich mich bei den Arbeiten von elf Wuppertaler Studenten bedienen, die sich im Fach Architektur (Fachgebiet Ökonomie des Planens und Bauens sowie Bauen im Bestand und Entwerfen) Gedanken um die Zukunft des Hauses gemacht haben. Allerdings würde ich dabei keines der insgesamt vier Konzepte so übernehmen wollen, wie sich die Studenten das gedacht haben, sondern die besten Ideen herausnehmen und neu zusammensetzen. Denn wenn mir bei einem Konzept der Inhalt gefällt, muss das für die architektonischen Entwürfe nicht unbedingt gelten.

Für mich ist klar, dass das Schauspielhaus als solches für die Wuppertaler Bühnen erhalten bleiben muss, wenn auch nur mit einer kleinen Spielstätte. Über 700 Sitzplätze zusätzlich zum gerade erst renovierten Opernhaus sehen die Bühnen auch selbst als überdimensioniert an.
Aber nur ein „Kleines Schauspielhaus“ in so einem großen Gebäude macht nun wirklich keinen Sinn. Um das Haus mit Leben zu füllen, schlagen die Studenten in zwei Entwürfen sogenannte Co-Working-Räume vor.
Das sind Arbeitsflächen, die flexibel vermietet werden. Das geht vom Schreibtisch bis zum eigenen Bürobereich, von der Nutzung an einem Tag in der Woche bis zur unbefristeten Anmietung. Die Kosten dafür könnten nach Analyse der Studenten pro Schreibtisch bei zwölf Euro pro Tag beginnen und im Monat 150 Euro kosten. Das lockt vor allem Freiberufler (aus der Kreativwirtschaft) an, die auf niedrige Mieten angewiesen sind, aber nicht permanent zu Hause im stillen Kämmerlein arbeiten wollen.
Das Konzept funktioniert auch schon in anderen Städten gut, zum Beispiel in Form des Beta- Hauses mit Standorten in Berlin und Köln.

Ließe sich so ein Gründerzentrum mit etablierten Unternehmen ergänzen, würde das nicht nur mehr Mieteinnahmen bringen, sondern auch Einfluss auf den Standort nehmen, der schnell an Akzeptanz gewinnen würde.
Ähnlich dem Technologiezentrum W-Tec gehört auch eine passende Infrastruktur dazu, die neben einem Empfang und Besprechungsräumen eine Cafeteria beinhaltet, in der sich die Mieter nicht nur versorgen, sondern treffen können, um zum Beispiel gemeinsame Projekte und Ideen zu entwickeln.

Das Kleine Schauspielhaus sollte möglichst so konzipiert sein, dass es auch für Kongresse, Messen und andere Veranstaltungen genutzt werden kann – und so weitere Mieteinnahmen erzielt werden könnten.
Denkbar wären zudem Ausstellungsflächen, die sowohl für Kunst als auch die Präsentation der Produkte und Ideen der Mieter dienen könnten.

An der Architektur des Schauspielhauses würde ich am liebsten kaum rütteln – nicht umsonst steht der Bau aus den 1960er Jahren unter Denkmalschutz. Er ist einfach schön. Allerdings müsste innen viel saniert und umstrukturiert werden.
Zudem haben die Studentenideen der Öffnung der Atrienhöfe sowie einer Dachterrasse viel Charme. Eine Aufwertung des Vorplatzes mit Außengastronomie und etwas mehr Grün könnte ebenfalls nicht schaden.
Würde im Zuge dessen auch der Sopp‘ sche Pavillon noch in ein Restaurant umgewandelt werden, würde die Kulturinsel eine perfekte Abrundung finden.

So viel zur schönen Idee. Aber ohne finanzkräftige Investoren, vielleicht auch gepaart mit Fördergeldern aus Land, Bund und Europäischer Union, bleibt es, was es ist: eine schöne Idee.

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