Die Gutachten hängen hoch

Man könnte meinen, es ist eine Provinzposse, aber in Wahrheit scheint es viel schlimmer zu sein: Während rund um Wuppertal die Rad- und Wanderwege nach und nach fertiggestellt werden, gibt es in Wuppertal erst ein kleines Teilstück – und die Aussicht auf die Fertigstellung erst Ende 2013.

Einmal von zahlreichen Viadukten und Brücken abgesehen, die es in dieser Vielzahl auf anderen Strecken nicht gibt, stellt sich die Frage, was hier schief läuft. Denn gut 1.100 Mitglieder und zahlreiche weitere Unterstützer wollen die Trasse haben, was sich schon alleine an der regen Nutzung des Teilstücks zeigt.

Aber: Die Wuppertalbewegung steht einer Verwaltung gegenüber, deren Mitarbeiter zunächst gar nicht begeistert waren, mit dem Umbau der Nordbahntrasse in einen Rad-, Wander- und Inlineskaterweg nun Mehrarbeit auf den Tisch bekommen zu haben.
Eingeschaltet wurde die Verwaltung, als ersichtlich wurde, dass die Sanierung der Trasse gute Aussichten auf Fördergelder von Land, Bund und Europäischer Union hat. Doch die fließen nur, wenn die Kommunen Projektträger sind.

Die Verwaltungsmitarbeiter schienen in der Beauftragung von Gutachtern ihr Heil zu sehen, die die Ansprüche an den Umbau sehr hoch ansetzten. So ist von Standards für Autobahnen die Rede, wo doch statt täglich mehreren hundert Schwertransportern nur Spaziergänger, Radfahrer, Inlineskater oder Fußgänger die Trasse nutzen werden.

Die Förderung kam durch, doch nun hängen die Gutachten wie ein Damoklesschwert über dem Bau und der Wuppertalbewegung: Was für Nutzer des fertigen Trassenstücks perfekt scheint, ist für die Stadtverwaltung jedoch alles andere als förderwürdig, sodass sie erst einmal das Geld zurückhält.
Fragt man genauer nach, bleiben überschaubare Nachbesserungen in Sachen Behindertenfreundlichkeit. Doch die Stadtverwaltung behält sich nun vor, die Bauarbeiten ab sofort selbst in die Hand zu nehmen – um der Wuppertalbewegung nach der Fertigstellung für 20 Jahre quasi die Garantie dafür zu übertragen. Die Bauherrschaft auf die Stadt zu übertragen sei nicht das Problem, so Carsten Gerhardt, erster Vorsitzender der Wuppertalbewegung, nicht jedoch zu diesen Bedingungen. Es könne doch nicht sein, dass die Stadt bei den Tunneln Sanierungsmaßnahmen umsetzen will, die die Bewegung langfristig als Gefahr für das Mauerwerk ansieht, aber genau dafür haften muss.
Zudem sehen die Zeit- und Kostenpläne der Stadt so ganz anders aus, als die Bewegung das einmal geplant hat. Statt in diesem Sommer schon ein weiteres Teilstück eröffnen zu können, beginnen die Arbeiten erst am 16. Mai und sehen zudem nur eine provisorische Nutzung vor, bei der vor allem die Inlineskater auf der Strecke bleiben.

Dass der Zeitplan so hinterherhinkt, liegt aber auch an den Zugeständnissen an den Umweltschutz: zwischen sechs und acht Monaten darf in den Tunneln nicht gebaut werden, in jedem Fall aber nicht vor März. Umso unverständlicher ist, dass fast drei Monate der wertvollen Bauzeit jetzt schon wieder verstrichen sind, bis Mitte Mai die Arbeiten erst wieder beginnen werden.
Da ist es auch nachzuvollziehen, dass der Unmut bei der Wuppertalbewegung und den Fürsprechern der Trasse zuweilen groß ist und auch mal das eine oder andere unbedachte Wort gefallen ist. Aber: Wenn die Wuppertalbewegung und vor allem ihr Vorstand nicht immer wieder den Fortgang der Arbeiten an der Trasse anmahnen würden, würde wohl auch das Verwaltungsziel Ende 2013 als Ende der Bauarbeiten nicht eingehalten werden können.

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