Studentenwohnheim war gestern

Niedrigenergiehaus, Passivhaus und jetzt ein Plusenergiehaus – zu sehen bereits beim Internationalen Wettbewerb „Solar Decathlon Europe 2010“ und dort von Spaniens König Juan Carlos bewundert. Nun hat das Haus in der Wuppertaler Harald-Leipnitz-Straße einen festen Standort gefunden.

40 Studenten der Bergischen Universität Wuppertal aus den Fachbereichen Architektur, Bauingenieurwesen, Wirtschaftswissenschaft, Design und Maschinenbau unter  Anleitung der Professoren Anett-Maud Joppien und Karsten Voss haben das Haus geplant, entworfen und gebaut – und damit den sechsten Platz des Wettbewerbs belegt.

Grundidee des Hauses war es, einen Wohnraum zu schaffen, der sich architektonisch und energetisch an die unterschiedlichsten Klimazonen in Europa anpassen soll, in dem man also sowohl bei Hitze als auch Kälte angenehm leben kann.

Vereinfacht gesagt besteht das Haus aus einem Kubus mit zwei solaraktiven Wandscheiben, zwei Terrassen, einem Patio sowie einer Fotovoltaik- und Solarthemienanlage. Man ahnt es schon: Damit ist nicht nur die Energieversorgung des Hauses gesichert, sondern auch darüber hinaus wird Strom erzeugt, also „Plus“ gemacht. In Spanien lag dieses Plus bei dem 3,5-fachen des Eigenbedarfs, in Wuppertal soll man immerhin noch auf den zweifachen Bedarf kommen, heißt es bei der Bergischen Universität.

Ein Architekturstudent wird nun mit seiner Freundin in dem kleinen, aber durchaus feinen Haus wohnen – was jenseits aller Vorstellung von Studentenwohnheimen (und seien sie noch so modern) liegen dürfte. Denn wer kann schon von sich behaupten, als Student in einem 500.000 Euro teuren Haus zu wohnen, bei dem das Geld dann auch noch vom Bundeswirtschaftsministerium kam?

Dafür leben die beiden nun in und mit einem begehbaren Multifunktionsmöbel, das auf zwei Etagen alle wichtigen Funktionen wie Schlafen, Waschen, Arbeiten und Verstauen ermöglicht. Separat, aber ebenso effizient ist der Kochbereich mit Klapptisch und -stühlen, die bei Bedarf zur Seite gestellt werden können. Zusammen macht das 50 Quadratmeter, die bei schönem Wetter durch die Terrassen und die begehbare Dachterrasse (Patio) fast beliebig erweitert werden können.

Die beiden Bewohner werden nun testen, ob das Haus nicht nur effektvoll, sondern auch effektiv ist, bevor es für alle angeboten werden könnte. Im Blick haben die Studenten dabei Ferienhäuser, in denen man in so einem Haus „Urlaub in der Zukunft“ machen könnte – mit dem Nebeneffekt, sich über zukünftige Wohnformen auch über die Ferientage hinaus Gedanken machen zu können.

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