Wenn Männer weinen

Das scheint ein neuer Trend zu sein: erfolgreiche, eher als hart agierend bekannte Männer, die am Ende ihrer Karriere beim Rückblick auf ihr Werk auch an die Familien denken, die dahinter stehen – und dabei die Tränen nicht mehr zurückhalten können. So passierte es erst Peer Steinbrück im Fernsehen, dann Josef Beutelmann und nun Eugen Trautwein in Wuppertal.
Was vor 20 Jahren wahrscheinlich noch völlig unmöglich war, ist heute keine Seltenheit mehr. Aber was zeigt uns das? Dass Männer sensibler geworden sind, dass sie sich einfach nur trauen, ihre sensible Seite zu zeigen oder einfach nicht anders können, weil sie doch gar nicht so harte Knochen sind?
Denn: peinlich ist es ihnen nämlich offensichtlich doch, was sich durch unwirsche Worte, Gesten und Mimik zeigt. In diesem Sinne werden wir wohl noch ein paar Jahre warten müssen, bis es selbstverständlich ist, dass auch Männer weinen. Aber bis dahin dürften sich dann ja vielleicht auch ein paar Frauen vor großem Publikum verabschiedet haben. Sie können so noch einmal zeigen, wie das geht mit den emotionalen Momenten, die so gar nichts peinliches haben, sondern den Betrachter eher milde stimmen. Obwohl: Angela Merkel wird das eher nicht sein. Und das wird am Ende dann wohl tatsächlich Gleichberechtigung sein.

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Verdrängtes Leben

Oft meint man, schon alles über die Zeit des Nationalsozialismus‘ gelesen zu haben – und dann kommt doch wieder eine neue Sichtweise um die Ecke, die man bisher nicht kannte. So geschehen bei dem Buch „Parnassia“ von Josha Zwaan.
Darin wird die Geschichte von Rivka erzählt, die zu Anneke wurde und erst ganz spät wieder zu ihrem eigenen Ich zurückfindet. Dazwischen liegt ein Leben, in dem von außen alles stimmt, doch in der Innenansicht rein gar nichts – was dann auf schmerzliche Weise auch zum Vorschein kommt.
Doch fangen wir vorne an: Rivka ist die Tochter eines jüdischen Ehepaars im Holland des Nationalsozialismus. 1942 ist der Familie klar, dass die Repressalien gegen Juden wohl immer schlimmer werden würden. Also schickte sie die beiden Kinder, die fünfjährige Rivka und den älteren Simon, getrennt voneinander zu christlichen Familien, die ihnen als Schutz vor den Nazis eine neue Identität geben.
So weit, so gut. Doch wie weit darf das neue Leben in die Seele so junger Menschen eingreifen? Wie sehr darf man die Vergangenheit der Kinder verdrängen? Was am Anfang richtig war, damit sich das Kind im ländlichen Pfarrershaus nicht selbst verrät, wird nachher zum Problem, denn Rivka verschwindet auch nach dem Krieg immer mehr hinter Anneke. Das geht so weit, dass sich das Kind gegen den Vater und Bruder entscheidet, die den Krieg und die Lager überlebt haben – und für das christliche Pfarrerspaar.
Die Verleugnung der eigenen Vergangenheit bricht jedoch spätestens dann auf, als Anneke ihren späteren Mann kennenlernt, einen Juden, der als einziger seiner Familie den Holocaust überlebt hat. Doch Anneke hat nichts anderes gelernt, als zu leugnen, die eigene Geschichte zu verdrängen – weil ihre Pflegeeltern ihr das so beigebracht haben und sie nach dem fünften Lebensjahr mit dem Glauben erzogen wurde, dass nur die eigene Religion die richtige ist.
Doch das führt bei Anneke dazu, dass sie im Laufe ihres weiteren Lebens weder sich selbst noch ihren Mann und ihre Kinder lieben kann und diese schließlich verlässt. Dass ihr Mann an den Erlebnissen im und den Erinnerungen ans Konzentrationslager zu zerbrechen droht, treibt sie noch weiter von allem weg. Erst die Beerdigung des Vaters ihrer Kinder lässt sie wieder zu sich selbst kommen. Meine Empfehlung: lesen!

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War da nicht was?

War da nicht mal was? Mit dem Bild von Barbara Steffens, Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen, ist sie wieder da, die Erinnerung an die Bekanntgabe des Ministeriums, in NRW fünf forensische Kliniken bauen zu wollen.
Der Aufschrei der Anwohner war groß, die Aktivitäten gegen die Ansiedlung noch größer. Gerade in Wuppertal, wo Oberbürgermeister Peter Jung sogar einen Alternativstandort als Angebot in den Ring warf, rannten gleich zwei Bürgerinitiativen gegen die Ansiedlung an. Ein Vorschlag aus Solingen verlief im Gegensatz dazu eher im Sande.
Zuletzt hieß es, dass nach den Osterferien eine Entscheidung fallen sollte. Ostern? Ja genau, das ist jetzt gut drei Monate her – oder auch ein Vierteljahr. Was ist passiert? Nichts! Und warum nicht?
Der Verdacht liegt nahe, dass Barbara Steffens und ihren Parteifreunden eingefallen ist, dass im September, genauer gesagt am 22. September, Bundestagswahlen sind. Vielleicht ist es den Grünen ja auch gar nicht selbst eingefallen, sondern der SPD, die den Koalitionspartner drauf aufmerksam gemacht hat. Denn die SPD kann noch mehr schlechte Nachrichten gerade gar nicht gebrauchen.
Aber mal ganz ehrlich: Glauben Politiker tatsächlich, dass Wähler so vergesslich sind? Die Anwohner der betroffenen Standorte können über die Bundestagswahl zwar keinen Einfluss auf die NRW-Politik ausüben, aber Denkzettel verpassen wollen – ob das richtig ist, wollen wir mal dahingestellt lassen, weil forensische Kliniken tatsächlich wichtig sind.
Mal schauen, was im Oktober passiert, ob dann tatsächlich konkrete Entscheidungen fallen beziehungsweise mit dem Bau an den zuerst genannten Vorschlägen begonnen wird. Denn damals hieß es, die Kliniken müssten so schnell wie möglich entstehen, weil die Zeit dränge. Wir werden sehen…

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Ist Flint Wuppertal?

Die Bergische Universität Wuppertal kooperiert seit neuestem mit der University of Michigan und dabei insbesondere mit dem Standort Flint, einem von drei der US-amerikanischen Uni. Schwerpunkte sollen neben den naheliegenden Fachbereichen Amerikanistik und Anglistik auch die Wirtschaftswissenschaften sein.

War da nicht was? Kennen wir Flint nicht bereits in einem weniger erfreulichen Zusammenhang in Sachen Wirtschaft? Spätestens mit der Schließung von Opel in Bochum sollten hier einige aufmerksam werden, denn Flint ist einer der größten Produktionsstandorte von General Motors (GM) gewesen. Mit der Verlagerung der Produktion nach Mexiko begann der Niedergang der Stadt. Zurück blieben bis heute viele der rund 120.000 Einwohner, die unterhalb der Armutsgrenze leben und zahlreiche Umweltschäden, die die Automobilindustrie verursacht hat.

Weil auch viele Zulieferer in den Abgrund rutschten, galt Flint in den Medien immer wieder als warnendes Beispiel für eine Monostruktur. Einer der größten Kritiker ist der Filmemacher und Buchautor Michael Moore, der mit dem Dokumentarfilm „Roger & me“ erstmals bekannt wurde. Scheinbar dokumentiert hat Moore dabei nicht nur den Niedergang seiner Geburtsstadt, sondern auch den angeblich dreijährigen, immer wieder fehlgeschlagenen Versuch, ein Interview mit Roger Smith, dem damaligen Geschäftsführer von GM, zu führen. Heute weiß man, dass dies nicht ganz der Wahrheit entspricht, aber der Schaden, den der Rückzug von GM aus der heimischen Produktion hinterlassen hat – und den Moore auch in späteren Filmen immer wieder aufgegriffen hat – ist doch nicht wegzudiskutieren, wenn Moore auch gerne über das Ziel hinausschießt. Aber dass der Konzern seine Standorte eher emotionslos schließt, können wir gerade wieder in Bochum sehen.
Dass Bochum die Opel-Schließung nicht so treffen wird, wie die Produktionsschließung zum Ende der 1980er Jahre Flint getroffen hat, liegt unter anderem daran, dass dort auch noch andere Wirtschaftsschwerpunkte aufgebaut wurden, zum Beispiel in Sachen Gesundheit.

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Und nun die Kooperation zwischen Flint und Wuppertal. Die Schwebebahnstadt wurde schon immer als „Industrieller Tausendfüßler“ bezeichnet, bietet also eher das Gegenteil einer Monostruktur, wenn auch hier ein Schwerpunkt nach wie vor in der Automobilindustrie liegt, vor allem bei den Zulieferern, die die Schließung von Opel ebenfalls zum Teil spüren werden. Wenn bei der Kooperation also nicht nur der wissenschaftliche Austausch gesucht wird, sondern auch die jeweilige Geschichte mit einbezogen wird, könnte das tatsächlich eine interessante Sache werden. Da reicht es schon, die eigenen Erfahrungen in Sachen Wirtschaft auszutauschen, vom Positiven wie Negativen zu lernen. Vielleicht sollten wir dann auch Michael Moore zu einer Schwebebahnfahrt einladen…

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Die Entscheidung ist gefallen

Nicht wie angekündigt erst nach zehn bis zwölf Tagen, sondern bereits nach vier Tagen fiel die Entscheidung in Sachen Schauspielintendanz. In der Spielzeit 2014/2015 tritt die Österreicherin Susanne Abbrederis die Nachfolge von Christian von Treskow an.
Während beim Amtsantritt von von Treskow die (Wuppertaler Schaupiel-) Welt zwar auch nicht mehr ganz in Ordnung war, weiß Abbrederis offensichtlich, wie wenig Geld ihr zur Verfügung stehen wird. Bei ihrem Vorgänger kam man damit eher verspätet aus der Höhle und kürzte ihm den Etat erst nach seinen Planungen – um nicht zu sagen „untern Hintern weg“.
Abbrederis dagegen weiß, dass die Stadt von ihr auch erwartet, auf Sponsorensuche gehen zu müssen. Das scheint ihr zu liegen, mehr als die eigene Regiearbeit, wie sie ganz unbefangen zugibt. Und so rechnet sie es der Stadt nach eigener Angabe hoch an, dass diese das Schauspiel als Sparte bei der derzeitigen finanziellen Situation überhaupt behalten möchte. Sie wolle ihr Möglichstes dafür tun, die neue kleine Spielstätte und das Opernhaus voll zu bekommen und eine angenehme Atmosphäre für das Ensemble, die Besucher und die Stadt zu schaffen.
Ob sie nun weniger für ihren Umzug von Wien an die Wupper verlangt hat als ein männlicher Intendant, sei dahingestellt. Bisher sieht es für die Stadt jedenfalls so aus, als ob sie für ihr weniges Geld sehr viel bekommen wird.

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Fragen und keine Antwort

Am 8. April 2013 lud die Stadt Wuppertal zur Pressekonferenz ins Opernhaus, um Neuigkeiten in Sachen Schauspielintendanz zu vermelden. Doch diese warf mehr Fragen auf, als beantwortet werden konnten. So wurde kein neuer Intendant vorgestellt, aber der Hinweis darauf gegeben, dass die endgültige Entscheidung in rund zwei Wochen fallen soll.
Warum also jetzt die Einberufung einer Pressekonferenz? Als Ergebnis hat sie nur gebracht, dass es 50 Bewerbungen gab, nur gut ein Dutzend schnell aussortiert werden konnten und schließlich sieben Kandidaten zur Vorstellung eingeladen wurden.

Die letzten vier Bewerber, die in die engere Wahl gekommen sind, sind alle Frauen, verkündete Oberbürgermeister Peter Jung, zugleich Vorsitzender der Findungskommission. Beim Zuhörer schlich sich dabei weniger der Sinn für Gleichberechtigung als vielmehr das Gegenteil ins Ohr: Sind Frauen „billiger“ gewesen, als die männlichen Kandidaten?
Das fragt man sich nicht nur angesichts des Budgets, das für das Wuppertaler Schauspiel bis zum Beginn des Antritts zur Spielzeit 2014/2015 extrem zusammengestrichen wird. Denn zuletzt hat auch der „Equal Pay Day“ gezeigt, dass Frauen noch lange nicht so viel verdienen wie Männer.

Zwei Frauen haben es jetzt in die letzte Runde geschafft. So weit, so interessant. Wer nun aber das Rennen macht, erfahren wir – siehe oben – in zehn bis zwölf Tagen. Namen wurden zudem auch nicht genannt. Hat sich der Aufwand, das schon einmal vorab anzukündigen, nun gelohnt? Eine Antwort darauf habe ich nicht. Mal sehen, ob sie mir einfällt, wenn die neue Intendantin dann endlich auch namentlich genannt wird.
Ach übrigens: Als Grund für die Nichtentscheidung nannte Jung, dass die beiden letzten Kandidatinnen beide so gut sind, dass man sich eben nicht hätte entscheiden können. Aha. Nun sollen mit beiden die Verträge festgezurrt – und dann entschieden werden. Hofft man vielleicht, dass angesichts der dann auch nachzulesenden dramatischen Zahlen doch noch eine der Damen abspringt und den Verantwortlichen damit die Entscheidung abnimmt?

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Horst Schlämmer ist überall

Die Beschuldigung einer Journalistin, der Politiker Rainer Brüderle hätte sich sexistisch geäußert, hat eine rege Debatte über Männer im Allgemeinen und Politiker im Besonderen ausgelöst. Im Twitter-Netzwerk tragen unter dem Hashtag #Aufschrei vor allem Frauen ihre Erfahrungen dazu bei, was wiederum in klassischen Medien aufgegriffen wird – mal kritisch, mal beipflichtend.
Doch wer genau hingeschaut hat, wird erkannt haben, dass eigentlich Hape Kerkeling mit seiner Kunstfigur Horst Schlämmer genau das parodiert hat, was gerade zur Debatte steht: die grauenhafte Art ältlicher, unangenehmer Männer, mit (jungen) Frauen umzugehen. Sein Schätzelein ist dabei ebenso treffend wie das „Mädchen“, das wahrscheinlich jede Frau auch jenseits des klassischen Mädchenalters schon einmal gehört hat. Man denke da nur an Helmut Kohl und sein Mädchen, das auch damals schon eine ausgebildete Wissenschaftlerin war.
Diese Beispiele gibt es nicht nur im Journalismus häufig und sind auch mir schon in zahlreichen Varianten untergekommen. Dass mein männlicher Kollege ebenfalls vom Firmenchef in dem Arm (in die Zwinge) genommen worden wäre, habe ich allerdings noch nicht mitbekommen.
Und genauso überzeugend, wie Horst Schlämmer das parodiert, genauso blauäugig merken es seine Vorbilder gar nicht, was sie da gerade gesagt oder getan haben.
Deshalb ist die jetzige Debatte nicht doof und überflüssig, wie natürlich vor allem die Horst Schlämmers dieser Welt einwenden, sondern wichtig und gut. Aber den Spiegel hat eben schon Hape Kerkeling der Gesellschaft vorgehalten. Horst Schlämmer ist überall. Das war er schon immer und wird es wahrscheinlich noch länger sein. Aber jetzt wird es wenigstens ausgesprochen.

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In the Ghetto!?

Ein Musikfestival rund um den Wupperfelder Markt, „in the Ghetto“, wie auch das Motto der abschließenden Party lautete? Wer sehen will, ob das funktionieren kann, muss selbst hingehen. Und das taten wir am 29. September 2012.
Treffpunkt war das gute, alte Kino Cinema. Auf dem Programm stand eine Begegnung zwischen der Kantorei Barmen-Gemarke und dem Wuppertaler Improvisationsorchester. Das Fazit: Die Improvisation hat über den eigentlich erwarteten klassischen Chorgesang gesiegt.
Ob das gut war? Keine Ahnung. Es war zumindest sehr experimentell, überraschend und erstaunlich – und das ist ja auch schon einmal etwas.

Und schon bei diesem ersten Konzert griff das Konzept des Festivals: Kein Programmpunkt sollte länger als eine halbe Stunde dauern – lange genug, um in die Musik eintauchen zu können, aber auch kurz genug für Experimente, die dann vielleicht doch nicht so gut gefallen.
Also auf zum nächsten ausgewählten Veranstaltungsort (parallel liefen jeweils um die drei Programmpunkte), dem „Haarstudio Lia“. Was ungewöhnlich klingt, ging in den nächsten beiden Stunden komplett auf: Erst philosophierten „Gin & Fizz“, alias Detlef Bach und Andy Dino Iussa, über die Welt als Etagere, dann rockte „Dörthe aus Heckinghausen“ den bis in die letzte Ecke besetzten Salon. Das trieb einem nicht nur den Schweiß auf die Stirn, sondern auch die Lachtränen in die Augen, weil in beiden Programmen nicht nur Wuppertal, sondern gerade auch das eher wenig glamouröse Oberbarmen rund um den Wupperfelder Markt auf die Schippe genommen wurde, wie es im allseits beliebten Luisenviertel, in dem das „Viertelklangfestival“ im letzten Jahr stattgefunden hatte, nie möglich gewesen wäre.

 

Mit einem Schlenker über den Stand mit griechischen Speisen und Getränken ging es weiter in die Färberei zum griechischen Chor. Was als Verschnaufpause mit eher wenigen Besuchern erwartet wurde, stellte sich als schöne Reise durch die griechischen Provinzen heraus, bei der der anfangs schüchtern-nervöse Chor unter der Leitung von Marianna Zormpa angesichts des vollen Zuschauerraums schnell Selbstbewusstsein sammelte.

Die absolute Entdeckung des Abends erreichte uns bei Programmpunkt fünf in der Immanuelskirche, in der Marvin Dillmann mit seinen Digeridoos und Percussions auf uns wartete. Im Duett mit Daniel Bark am Harmonium und Piano zeigten beide, wie experimentelle, neue Musik mit eigentlich nicht zusammenpassenden Instrumenten funktionieren kann.
Nach einem 40-minütigen Non-Stop-Stück (ja, beide durften, mussten einfach die halbe Stunde sprengen) herrschte im ersten Moment im Publikum atemlose Stille, bevor großer Jubel ausbrach.
Sollte man nach diesem grandiosen Konzert überhaupt noch Punkt sechs riskieren? Wir wollten – und landeten bei „Guten Abend, gute Nacht“ als Orgelvariante in der Alten Kirche Wupperfeld, was sich als idealer Abschluss herausstellte.

Verpasst haben wir weitere tolle Programmpunkte, wie andere Besucher bestätigten, die man zwischendurch immer wieder traf. Aber 2013 ist sicher die nächste Gelegenheit, Neues in einem anderen Stadtteil zu entdecken. Das hoffe ich zumindest. Und dabei kann ich nur eine Empfehlung geben: Keine Angst vor Experimenten und einer ungewöhnlichen Zusammenstellung – weder, was den Ort noch einen Programmpunkt oder das Gesamtpaket betrifft.

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Im Kreisel der Kunst

Ich bin wieder bei einem meiner Lieblingsthemen – dem Verständnis von Kunst oder im Zweifel auch dem Unverständnis. Ist Kunst nur dann gut, wenn Sie mich packt, mitreißt, begeistert?
Das war bei der Cornelius-Völker-Ausstellung in der Von der Heydt-Kunsthalle in Wuppertal-Barmen so, deren Katalog ich in die Hände bekam und die Bilder sofort im Original sehen wollte. Und wie fast immer geht man dann doch erst auf den letzten Drücker ins Museum.
Aber das Ergebnis zählt – und das war eine Wucht an Farben und Formen. Scheinbar Abstraktes wurde aus der Ferne zum konkreten Motiv, Bilderserien zogen einen in den Bann und der im Bild eingefangene Moment brachte einen zum Lachen – was in der Kunst selten genug der Fall ist. Hin und wieder ein Blick auf die Titel reichte zur weiteren Information.

Ganz anders ist es bei der Bergischen Kunstausstellung, die bis zum 9. September 2012 im Kunstmuseum Solingen zu sehen ist. Auf den ersten Blick gefielen mir nur wenige ausgestellte Arbeiten. Auch beim zweiten Blick erschließt sich beim alleinigen Rundgang nicht viel.
Doch dann kamen die Erläuterungen – von der Kuratorin und einigen anwesenden Künstlern selbst. Und siehe da: Bekommt man den Schubs in die richtige Richtung, kann auch Kunst begeistern, die einen nicht anspringt, faszinieren die Gedanken, Motive und auch Zufälligkeiten, die die Künstler von sich und ihrer Kunst preisgaben.
Dabei wird nicht alles toll, bleibt die Kunst auch später noch in manchen Fällen unzugänglich. Das Blättern im Katalog macht die Sache nicht unbedingt besser, denn Erklärungen erschließen sich mir daraus nur selten. Und ja, ich bin ein Mensch, der Kunst erklärt haben möchte, wenn er sie nicht versteht.
Deshalb lautet meine Maxime in Sachen Kunst immer mehr, dass ich Kunst wohl dann gut finde, wenn ich über sie schreiben möchte. Ob das ein guter Weg für andere ist, wage ich zu bezweifeln. Womit ich wieder beim Anfang wäre – dem Verständnis von Kunst. Aber in diesem Kreisel werde ich mich wohl noch lange drehen.

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Energiefragen über Energiefragen

Eigentlich weiß ja jeder, dass man Energie sparen soll: für das eigene Portemonnaie, für die Umwelt und neuerdings auch, um die Energiewende schaffen zu können. Vor allem die Energie zum Heizen sei dabei ein entscheidender Faktor, sagt Energieexperte Norbert Hüttenhölscher von den Wuppertaler Stadtwerken. Er meint damit neben den Heizkosten in Wohnungen vor allem auch die für Büros, Werkstätten, Industriehallen und nicht zuletzt Kaufhäuser, Einkaufszentren und den Einzelhandel generell.
Dabei könnte dort enorm gespart werden, denn nicht nur Männern steht meist der Schweiß auf der Stirn, wenn die oder der Holde an der Seite wieder hemmungslos zuschlägt. Auch die einkaufsbegeisterte Seite der Menschheit kommt dabei eigentlich immer ins Schwitzen. Hand aufs Herz: Wann haben Sie zuletzt über Ihre (Winter) Jacke geflucht, weil sie angezogen zu warm, über den Arm gehängt zu unpraktisch war?

Und zu Hause? Mit dickem Pulli und Schal am Schreib- oder Esstisch zu sitzen, ist vielleicht nicht ganz so attraktiv, mit der Decke auf dem Sofa ließen sich ein bis zwei Grad weniger in der Wohnung aber ganz gemütlich überbrücken.
Aber es geht Hüttenhölscher und anderen Verfechtern der Energieeinsparung auch um die einfachen Dinge: das Licht im Flur ausschalten, wenn man es nicht braucht, den Trockner nicht für drei T-Shirts laufen zu lassen und die Kaffeemaschine nicht anzulassen, weil man vielleicht in einer Stunde doch noch einen Kaffee trinken möchte.

Apropos Kaffee: Dabei lässt sich trefflich lesen. Wobei sich die Frage stellt, ob das digital vielleicht nicht auch umweltfreundlicher ist, als Papiererzeugnisse zu bemühen, von Nerds auch gerne „tote Bäume“ genannt? Womit sich eine zweite Frage aufdrängt, welcher ökologische Rucksack größer ist? Diesen berechnet man quasi von der Wiege bis zur Bahre, also vom Baumfällen bis zum Altpapier auf der einen und von der Gewinnung sogenannter seltener Erden bis zur Entsorgung von Elektroschrott auf der anderen Seite.
An der Antwort arbeitet das Wuppertal-Institut bestimmt schon, hat es bereits getan oder wird es in absehbarer Zeit – oder eine vergleichbare Institution. Bis ich die Antwort kenne sitze ich mit Pulli und Schal beim Kaffee und wechsel zwischen Artikeln auf Papier und Display.

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