Medikamente versus Schadstoffe

Da haben wir sie wieder: Die schöne bunte Welt der Medikamente, die in vielen rezeptfreien Varianten munter zur Selbstmedikation genutzt wird. Ab und zu mal eine Aspirin (als Wuppertalerin darf ich diese Marke nennen), gegen den Kopfschmerz oder eine beginnende Erkältung darf man sicherlich einnehmen – die Frage ist aber auch hier: Was heißt „ab und zu“? Für mich heißt das, vielleicht alle drei Monate, für andere monatlich und für manche ist die wöchentliche Einnahe auch noch in Ordnung.
Gravierender ist da schon der Einsatz von „härteren“ Schmerzmitteln, die in meinen Augen oftmals ebenfalls viel zu wahllos eingenommen werden. Kommen mehrere Medikamente zusammen – unter anderem, weil sie verschrieben wurden – und dann noch durch selbst verordnete ergänzt werden (sicher ist sicher), ist das für den Körper nicht gut. Im schlimmsten Fall sind Abhängigkeit, Ausschläge, Unverträglichkeiten, Leberschäden und immer wieder Krankenhausaufenthalte die Folge. Beispiele dafür gibt es genug.
Aber, und das ist ein Punkt, der bisher eher wenig beachtet wurde: Wer wahllos mit Medikamenten hantiert, schaden nicht nur sich, sondern auch der Umwelt und damit der ganzen Gesellschaft. Denn Kläranlagen haben zunehmend Probleme, die Schadstoffe, die durch Medikamente, aber zum Beispiel auch Röntgenkontrastmittel, Duftstoffe und Pflanzenschutzmittel ins Wasser gelangen, herauszufiltern. Dazu muss man wissen, dass etwa 50 Prozent des Wirkstoffes eines Medikamentes über den Urin in den Wasserkreislauf gelangt.
Das ist nichts Neues, wird aber durch bessere Nachweismethoden heute immer ersichtlicher. Bernd Wille, Vorstand des Wupperverbandes, der im Bergischen Land für elf Kläranlagen zuständig ist, sagt: „Sie werden immer etwas finden, egal was Sie untersuchen“. Problematisch dabei ist, dass man heute weiß, dass gut 5.000 dieser Spurenstoffe „umweltrelevant“, also schädlich für Umwelt, Tier und Mensch sind.
Die Wissenschaft stehe laut Wille hier erst am Anfang, um Kläranlagen so auszustatten, dass diese künstlich hergestellte Stoffe, offiziell anthropogene Spurenstoffe, zu 100 Prozent herausfiltern können. Der Wupperverband ist selbst mit dem Klärwerk Buchenhofen an einem wissenschaftlichen Projekt beteiligt, bei dem es um die Bindung der Spurenstoffe mithilfe von Pulveraktivkohle gehe. Erste Ergebnisse seien gegen Ende des Jahres zu erwarten. Innerhalb des gleichen Forschungsvorhabens des Landes Nordrhein-Westfalen testen andere Wasserverbände andere Methoden, etwa mittels Ozon und UV-Strahlen.
Bis das aber in die Produktreife geht und auch bei der kleinsten Kläranlage angekommen ist, gilt es, die Gesellschaft zu sensibilisieren, betont nicht nur Wille: Ein bewusster Umgang mit Medikamenten ist dabei ein erster, wichtiger Schritt.

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2 Kommentare

  1. Irgendwie bin ich froh, dass ich versuche alle Arten von Medikamenten zu vermeiden. Das hilft nicht nur mir!

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