Frau Fischer und der schnöde Mammon

Brandneu ist die Nachricht vom Wechsel Birgit Fischers von der Spitze der Barmer-GEK am 1. Mai 2011 zum Verband forschender Arzneimittelhersteller als Hauptgeschäftsführerin nicht, aber nachdenklich stimmt er auch noch eine Woche nach der Bekanntgabe. Denn so war es Fischer, die den Hauptsitz der Barmer von Wuppertal nach Berlin verlegt hat – mit dem Argument, dass dort nun einmal die Lobbyisten sitzen; nun ja, auch die politschen Entscheider. Dass sie dies so meinte, wie man es heute interpretieren könnte, war damals allerdings nicht klar. Aber diese Aussage klingelt dann doch nachhaltig in den Ohren.

„Oha“ müssen sich auch die Lobbyisten gedacht haben. Denn Fischer kommt ja nicht nur von der größten deutschen Ersatzkasse, sondern kennt auch die Politik aus eigener Erfahrung, nämlich als (SPD-) Gesundheitsministerin des Landes Nordrhein-Westfalen (von 2002 bis 2005). Als solche und Vorstandsvorsitzende der Barmer kämpfte sie schon von Amts wegen für ein bezahlbares Gesundheitssystem.

Nun stehen die Arzneimittelhersteller allerdings nicht im Verdacht, die Kosten des Gesundheitswesens senken zu wollen. Das können sie auch gar nicht, gelangen doch nur höchstens acht Prozent der vielversprechenden Wirkstoffe zur Marktreife – und das nach frühestens fünf Jahren und Kosten von rund zwei Milliarden Euro, wie jetzt die Pharma-Sparte von Bayer in Wuppertal bekanntgab. Selbst Medikamente, die wirklich innovativ sind und gut verkauft werden, müssen das erst einmal wieder einspielen. Mit gedeckelten Budgets bei den Krankenkassen wird das nicht gerade einfacher – mit einer Insiderin aus Politik und Kassenwesen vielleicht aber schon.

Und da fällt dann noch eine Parallele zu Fischers bisheriger Tätigkeit auf: Verbandsvorsitzender Wolfgang Plischke, der Leiter des Geschäftsbereichs Pharma bei Bayer in Wuppertal war (2002 bis 2006) und heute im Bayer-Vorstand ist, dürfte Fischer sowohl als Gesundheitsministerin in Wuppertal als auch als Barmer-Vorsitzende in Berlin getroffen haben.

Doch was bewegt nun eine Sozialdemokratin zu dem Wechsel? Es wird wohl der schnöde Mammon gewesen sein, dem sie dann doch nicht widerstehen konnte: Man munkelt von einem Jahresgehalt über eine Million Euro. Da kann eine Krankenkasse mit gut 210.000 Euro nicht mithalten.

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